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 Reviews Bass
Cadfael Offline




Beiträge: 70

30.10.2008 20:11
Roland D-Bass 115 antworten
Hallöli,

ich habe über ein Jahr überlegt ob und welchen neuen "größen Bassverstärker" ich mir kaufen soll. Geld spielte bei meinen Überlegungen keinerlei Rolle (welcher Luxus!). Glockenklang, Genz Benz, EBS, Gallien-Krueger Neo, Trace Elliot und mehr standen auf meiner Liste.
Schlussendlich ist es der Roland D-BASS 115 geworden. Neben den Features des D-BASS spielten auch meine in über 20 Jahren gesammelten Erfahrungen mit Roland/BOSS Produkten ein Rolle. Wie ich öfters betone: Man sollte nicht nur mit seinem Verstand kaufen, sondern auch auf sein Herz hören.

Hier mein Review

Neben seinem weit aus beliebteren Bruder D-BASS 210 fristet der etwas höher bauende Roland D-BASS 115 vergleichsweise ein Schattendasein. Das mag daran liegen, dass Musiker in Equipment Fragen oft sehr konservativ denken und bei dem Schlagwort "15er Combo" weiterhin die althergebrachten 15 Zoll Comboverstärker im Hinterkopf haben; sehr schwer, gerade laut genug für die Band, schlechte Reaktionszeit des Lautsprechers, mangelnde Differenzierung in den Hochmitten und unflexibel im Klang. Dem muss man entgegenhalten: "Think new - think Roland D-BASS 115!"

Der Combo ist - wie nicht anders bei einem Roland zu erwarten - sehr gut verarbeitet. Einzige, die Roadtauglichkeit betreffende Kritikpunkte sind die seitlichen Schalengriffe (man sollte sie von unten packen) und das nicht abnehmbare 230 V Netzkabel. Die Schalengriffe kommen allerdings normalerweise nur zum Einsatz, wenn man seinen D-BASS aus dem Auto hebt. Dank 24 kg Gewicht und steckbaren Rollen lässt sich der Verstärker auch als schwächlicher Kettenraucher alleine transportieren.

Der D-BASS 115 ist als Bi-Amp-Verstärker ausgelegt; es gibt also eine Frequenzweiche, die das Signal der Vorstufe nach Frequenzen aufgeteilt und an zwei Endstufen weiter gibt. Der 15 Zoll Neodymium Lautsprecher wird mit 250 Watt, das Horn mit 80 Watt befeuert. Neben dem Mastervolumen Regler gibt es noch einen eigenen Volumenregler für das Horn, der dem Mastervolumen untergeordnet ist. Dank FFP-Technologie fällt die Lautstärkeausbeute ausgesprochen hoch aus und der Klang bleibt bis in hohe Lautstärken hinein äußerst präzise und (im wahrsten Sinne des Wortes) kontrolliert.

Der D-BASS kann aber auch leise! Kein Ventilator brummt im Hintergrund und der Rauschabstand ist hervorragend; so gut, dass mir der Unterschied zwischen Humbucking- und SingleCoil-Stellung des Jazz Bass aufgefallen ist wie nie zuvor. Selbst bei voll aufgerissenen Master-Reglern übertönt das Abrollgeräusch mancher vorbeifahrender PKWs das Eigengeräusch des 330 Watt Verstärkers. Damit ist der D-BASS bestens für Studioaufnahmen - inkl. Mikrofonabnahme - geeignet. Über einen DI-Ausgang (Pre/ Post wählbar sowie Ground Lift) und einen Line Out verfügt der D-BASS sowieso.
Zudem liegt am Kopfhörerausgang auf der Vorderseite ein frequenzkorrigiertes Signal an. Dass die Lautsprecher des Combo dadurch abgeschaltet werden ist normal. Wenn ich das Schaltdiagramm richtig deute, wird der "Sub Out" (Line-Anschluss für D-BASS 115X Aktiv-Zusatzbox) beim Einstecken eines Kopfhörers ebenfalls stumm geschaltet, während am "Line Out" weiterhin ein Signal anliegt.

Neben dem großen An/Aus-Schalter mit blauer POWER-LED befindet sich eine Mute-Taste, die den Verstärker stumm schaltet. Die Mute-Funktion ist auch per Fußschalter (Standardschalter - kein Taster) steuerbar. Besonders pfiffig ist die blinkende MUTE-LED. Selbst in der Hektik eines Auftritts dürfte ein Blick auf den Verstärker genügen um zu sehen, warum kein Ton aus der Anlage kommt; eine hervorragende Detaillösung, wie ich meine. Auf der Rückseite des Verstärkers befindet sich eine "Tuner Out" Buchse für das Stimmgerät, die nicht von der Stummschaltung betroffen ist.

Weiteres Highlight ist der voll regelbare Effektweg. Zwischen 100% Direktsignal (Verstärker) und 100% Effekt ist alles möglich. Ich hätte nicht gedacht, dass mein 19 Jahre altes BOSS SE-50 Multieffektgerät noch einmal zum Einsatz kommt. Da es sich aber exzellent mit dem Einschleifweg des D-BASS verträgt und zudem die Effekte durch den Effektregler auf der Vorderseite des D-BASS stufenlos zumischbar sind, steht einer trauten Zweisamkeit nichts im Wege.

Die Eingangssektion (aktiv/passiv plus zusätzlichem Piezo-Eingang), die sechs Klangvarianten (drei Modelings plus Shape-Funktion) sowie der Compressor mit zwei Arbeitsmodi wurden schon an anderen Stellen im Internet besprochen. Dies gilt auch für die sehr flexible Dreibandklangreglung mit parametrischen Mitten. Zwischen modernem Bass Sound (fette Bässe, gepaart mit strahlenden Höhen) und leicht rotzigem punchigem Vintage Sound ist vieles machbar. Mit wenigen Handgriffen kann man vom 70s Bluesrock zur Slapp-Orgie wechseln. Unbedingt anzumerken sei, dass der 15 Zoll Lautsprecher weder träge, noch arm an Hochmitten ist!
Die Charakteristik des Basses und die Spieltechnik werden wunderbar nuanciert vom Roland wiedergegeben. Trotzdem würde ich den D-BASS nicht als "schonungslos" bezeichnen. Selbst ein mittelmäßiger Bassist wie ich es bin muss sich nicht mit seinem Sound verstecken.

Wem empfehle ich den D-BASS 115? Auf jeden Fall schwächlichen Kettenrauchern wie mir, die einen starken, voll bandtauglichen Verstärker wollen, aber die Schlepperei leid sind. Studiomusiker und Bassisten in Top 40 Bands sollten den D-BASS ebenfalls antesten; er ist sehr flexibel, hat sehr gut durchdachte exzellente Komponenten und erleichtert "die Arbeit". Dabei ist er trotzdem überschaubar und relativ leicht einstellbar. Spätestens mit der D-BASS 115X Zusatzbox wackelt auch die Stadthalle.
Mit 750 Euro ist der D-BASS durchaus auch für den Hobbymusiker eine denkbare Alternative zum 410er Half Stack der Mittelklasse.

Wem empfehle ich den D-BASS nicht? Leuten, die auf stylisches Aussehen stehen, denn der D-BASS versprüht den Charme eines Briefmarkenautomaten. Wer auf stärker angezerrten Vintage oder Metal Sound steht sollte sich wohl auch besser einen entsprechenden Verstärker zulegen. Der D-BASS ist zwar vielseitig und er kann auch rotzen, er will aber nicht alles können.

Über die Langlebigkeit meines 115ers kann ich noch nichts sagen; ich besitze aber mehrere Roland/BOSS Geräte, die teilweise über 20 Jahre alt sind und noch immer einwandfrei funktionieren. Ähnliches erhoffe ich mir vom D-BASS. Ginge es gerecht zu auf dieser Welt, müssten die Verstärker der D-BASS Reihe ähnlich legendär werden wie die Gitarrenverstärker der Roland Jazz Chorus Reihe. Für mich ist mein D-BASS (bisher) jeden Cent wert.

Gruß
Andreas
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