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 Grundwissen
Cadfael Offline




Beiträge: 70

22.06.2008 11:01
Bauarten von Verstärkern antworten

Als Einsteiger hat man es mit jeder Menge neuer Begriffe zu tun.
Im Grunde ist der Aufbau von Bass- (oder Gitarren-) Verstärkern aber immer gleich. Die einzelnen Komponenten jedoch können alle zusammen in einem Gehäuse oder aber einzeln daher kommen.



Mit seinem Instrument geht man zuerst in die Vorstufe (engl. Pre-Amp) des Verstärkers. Je nach Hersteller und Modell enthält die Vorstufe verschieden viele Regler. Meistens kann am Anfang die Eingangslautstärke (der Pegel) des Instruments angeglichen und der Klang verändert werden. Die Vorstufe eines Verstärkers kann auch Effekte oder verschiedene Ein- und Ausgänge beherbergen - doch dazu später mehr.
Von der Vorstufe geht es in die Endstufe (engl. Power-Amp). Hier wird das Signal der Vorstufe so verstärkt, dass wir es hören können.
Von der Endstufe geht es dann zu dem / den Lautsprecher(n).


1. Der Comboverstärker

Die ersten Verstärker die Musiker um die 1930er Jahre einsetzten waren so genannte Comboverstärker. Die Jazz- und Swing-Bands jener Zeit waren mit ihren Bläsern so laut, dass Gitarristen und Bassisten ihre Instrumente verstärken wollten um sich gegen Gehör zu verschaffen.

Der Instrumenteneingang und das Bedienfeld des Combo können sich auf der Vorderseite, aber auch oben auf dem
Verstärker befinden. Bis in die 1960er Jahre hinein standen Verstärker meistens vor und nicht hinter den Musikern. Daher machte es Sinn, das Bedienteil oben auf dem Verstärker zu platzieren.

In einem Comboverstärker sind alle wichtigen Komponenten zusammengefasst. Um mit einem Comboverstärker spielen
zu können muss man ihn nur mit dem Stromnetz verbinden und das Instrument mit einem Kabel anschließen.

Da sich der Ausdruck "Combo" nicht auf "die Musikcombo", sondern auf "den Comboverstärker" (eine Kombination aus Verstärker und Lautsprecher) bezieht, sollte man "der Combo" und nicht "die Combo" sagen.

Vorteil eines Comboverstärkers ist der einfache Aufbau. Zudem sind die Komponenten (Verstärker und Lautsprecher) meistens optimal aufeinander abgestimmt. Combos sind oft relativ klein und platzsparend - und man muss nur einmal schleppen. Zudem sind sie meistens billiger als vergleichbare Lösungen aus Topteil plus Box.
Nachteil bei größeren leistungsfähigen Combos kann das hohe Gewicht sein. Außerdem hat man natürlich weniger Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Komponenten - und Combos haben relativ wenig Boxenvolumen.


2. Half Stack, Full Stack, Tower

Mitte der 1960er Jahre wurden Half Stacks, Full Stacks und Tower beliebt. Zum einen wurden Beat und Rock Musik lauter gespielt als zuvor Jazz und Rock'n'Roll. Weiterer wichtiger Grund ist aber auch die Vervielfachung der
Zuhörerzahl. Um ein riesiges Publikum oder gewaltig große Bühnen ausreichend beschallen zu können. braucht man leistungsstarke Verstärker und große Schallflächen. Da es noch keine marktreifen Transistorverstärker gab, wären Vollröhrencombos mit einer Leistung von 100 Watt und vier 12 Zoll Lautsprechern enorm groß und schwer geworden.

Pete Townshend von The Who ließ sich von Jim Marshall einen Tower (engl. = Turm) bauen. Dieser Tower bestand aus einem separaten Verstärkerteil und einer Box mit acht 12" Lautsprechern. Sehr schnell wurde aber klar, dass sich so eine Monsterbox kaum transportieren lässt. Die Roadies (Helfer für den Auf- und Abbau) von Townshend sollen nach kurzer Zeit gemeutert haben.
Da kam man auf die Idee diesen großen Tower in der Mitte zu halbieren. Das Stack (engl. = stapeln) war geboren. Bei einem Full Stack handelt es sich um zwei Boxen, die zu einem Tower gestapelt sind. Benutzt man nur eine dieser beiden Boxen hat man ein Half Stack.
Half und Full Stacks sind bei Bassisten sehr beliebt, aber auch der Tower hat überlebt! Gerade zu legendär ist der Tower der Firma Ampeg. Die wuchtige Ampeg Box hat acht 10" Lautsprecher und wird wegen ihres Aussehens von
Musikern auch "Kühlschrank" genannt, da sie an die großen amerikanischen Kühlschränke erinnert.

Vorteil einer Stack-Lösung ist, dass man Boxen mit verschiedensten Lautsprecherbestückungen von verschiedenen Herstellern oder Serien miteinander kombinieren kann. Zudem haben die Boxen meist ein großes Volumen und eine große Schallfläche. Sind an einem Auftrittsort bereits Boxen vorhaben, kann man evtl. nur das Topteil mitnehmen.
Nachteil ist oft das große Gewicht sowie dass man mehrere Komponenten transportieren und schleppen muss. Außerdem muss man darauf achten, dass Verstärker und Boxen von der Leistung und Impedanz zueinander passen. Ansonsten können beide schweren Schaden davon tragen.

3. Das Rack

Anfang der 1980er Jahre wurden sogenannte Racks populär. Bei einem Stack befinden sich Vor- und Endstufe noch untrennbar im Topteil. Bei einem Rack hingegen bestehen Vor- und Endstufe(n), Effekte und mehr aus getrennten Komponenten. Diese Komponenten werden dann meistens in ein Gehäuse (Flight Case / Rack) montiert und untereinander verkabelt.

Vorteil einer Rack-Lösung ist die große Flexibilität. Man kann sich genau die Komponenten zusammenstellen,
die den gewünschten Klang und die gewünschte Lautstärke ergeben.
Nachteil ist der sehr hohe Preis. Zudem muss man bei der Zusammenstellung berücksichtigen, ob die ausgesuchten
Einzelkomponenten wirklich zusammen passen. Die teilweise umfangreiche Verkabelung macht ein Rack auch etwas anfälliger gegenüber Störungen.



4.Persönliche Entscheidung

Viele Faktoren können beeinflussen für welche Bauart man sich entscheidet. Manchmal ist es bereits das Aussehen. Ein kleiner Comboverstärker in einer Death Metal Band sieht ähnlich fehl am Platz aus, wie ein Full Stack in einer Country Band.
Jungen Musikern mit sehr wenig Geld sei wegen Transportfähigkeit und Preis- / Leistungsverhältnis ein Combo ans Herz gelegt. Bei einem Combo kann man auch in Sachen Verkabelung kaum große Fehler machen. Für ein Rack sollte man sich entscheiden, wenn man bei keinem Hersteller ein geeignetes Top oder keinen Combo findet, gerne tüftelt und großen Wert auf kleinste Sound-Nuancen legt. Man sollte aber unbedingt über das nötige Kleingeld verfügen! Billig zusammengestrickte Racklösungen kommen meistens nicht an die Qualität gleich teurer Tops heran.

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