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 Bastelecke Gitarren + Bässe
Cadfael Offline




Beiträge: 70

20.06.2008 12:11
Gedanken zum Gitarrenbau - Frankensteins Traum antworten

Eine Betrachtung vom 23.01.2007

Hallöli,

zur "Selbstbauwelle" habe ich mir einige Gedanken gemacht ...

Es gibt zwei Arten eine eigene zu bauen.
1. Body und vielleicht sogar Hals selbst anfertigen
(die Hohe Schule des Gitarrenbaus für Mutige und Könner)
2. Traumgitarre aus Einzelteilen zusammenbauen
(nicht jeder kann ein Künstler sein und doch seine individuelle Gitarre bauen)

Zur ersten Gruppe gehören sehr wenige - und egal wie gelungen das Resultat ist verdienen sie Respekt.
Mir geht es hier um den "leichten Weg".

Merksatz 1
Eine gute Gitarre aus vorgefertigten Einzelteilen zu bauen ist im Normalfall TEURER als eine gleichwertige oder fast gleichwertige Gitarre zu kaufen!

Guter Body: 140 bis 200 Euro (unlackiert)
Guter Hals: 140 bis 300 Euro (lackiert)
Gute Pickups: 100 bis 200 Euro (2 bis 3 Stück)
Gute Mechaniken: 40 bis 80 Euro
Gute Elektrik: 50 bis 100 Euro (Potis, Wahlschalter, Knöpfe, Buchsen ...)

Ups! Da sind wir ja schon beim Preis einer Mexican Fender oder guten Epiphone!
Dabei geht es immer noch teurer. Ich habe keine hohen Preise eingesetzt.

Merksatz 2
Wat nix kost, dat is auch nix.

Viele preiswerte Bodys in der E-Bucht sind in Wirklichkeit nicht preiswert, sondern billig (und damit sogar oft überteuert!). Ebay lebt nicht von Sachen die man zuviel hat, sondern von Unwissenden, die Ware überteuert kaufen.
Das trifft auf keinen Fall für alle Angebote zu! Aber man braucht einiges an Erfahrung und langem Studium um zu sehen ob ein Body billig, preiswert oder ein Schnäppchen ist.

Merksatz 3
Schnäppchen sind entweder sofort weg, sie werden erkannt und preisgerecht oder überteuert versteigert - oder in ganz seltenen Fällen verkannt.

Es gibt genug Leute die sich seit langem mit Gitarrenbau beschäftigen. Die erkennen sofort was gut ist und wieviel es kosten darf. Jeder Anfänger wird da über den Tisch gezogen. Glück, wer einen Kenner wie Jean im Forum hat, der einen auf ein Schnäppchen hinweist! Nur sind die Schnäppchenpreise auch mal 150 Euro oder mehr ...

Ich habe schon mal darüber geschrieben, dass die oben in der Liste erwähnten Teile in der E-Bucht nachweislich des öfteren aus Billiggitarren (42 bis 69 Euro für die gesamte Gitarre!) stammen. Und Bodys aus solchen Gitarren gehen dann für 50 Euro oder mehr über die E-Bucht-Theke.

Ich würde NIE einen Maple-Neck ohne "Stinktierstreifen" (dunkler Holzstreifen auf der Rückseite) von Unbekannten kaufen.
Ich bin zwar gelernter Schlosser und kein Schreiner, aber ich weiß wie professionelle Fräsungen aussehen müssen. NIE einen Body mit unprofessionellen Fräsungen - erst recht nicht wenn er lackiert ist.

Merksatz 4
Schuster bleib bei deinen Leisten - es geht auch anders ...

Da kann es besser sein eine Justin Strat oder Tele zu kaufen und sie dann total umzumodeln. Da kosten Body plus Hals 69 Euro. Schlagbrett und Kontrollplatte hat man evtl. auch schon. Wer mehr Geld hat kann statt einer Justin auch eine Squier Standard Strat oder Tele als Basis seines Umbaus nehmen! Da kosten guter Body und Hals zusammen 240 Euro - und Pickgurad und Elektrik hat man auch schon.

Alles auseinander nehmen, vielleicht Body abschleifen und neu lackieren, alles optimal aufarbeiten und wieder zusammenbauen. Oder Fräsungen und neue Pickups rein. Einen neuen Steg drauf? Die Elektrikschaltung verbessern?
Vielleicht sogar Furnier beim Schreiner kaufen und selbst furnieren - oder beim Schreiner furnieren lassen.

Man kann auch aus einer fertig gekauften Gitarre eine individuelle Gitarre machen!
Dabei sammelt man so viele Erfahrungen, dass der spätere Bau einer richtig guten (und teuren) Selbstbaugitarre einiges besser wird. Falls man merkt dass der Gitarrenbau nichts für einen ist kann man notfalls alles wieder zusammenbauen. Falls man Blut geleckt hat und Spaß hat, kann man auch aus einer 69 Euro Gitarre - ohne Geldaufwand - eine 150 Euro Gitarre machen.

Frankensteins Traum
Frankenstein hatte den Traum aus Einzelteilen einen perfekten Menschen zu erschaffen. Er hatte aber nur "minderwertiges Material", weil auf seinen Teilelieferanten kein Verlass war.
Man muss schon einige Erfahrung haben - und genug verlässliche Teilelieferanten - um eine wirklich gute Gitarre zu bauen. Nicht jeder Hals passt auf jeden Body (siehe Justin Tele Thread).
So wie Frankenstein sein Monster liebte will ich aber niemandem absprechen sein eigenes Gitarrenmonster zu erschaffen und es lieb zu haben. Wir werden euch so oder so mit Tipps und Anregungen zur Seite stehen!

Fazit
Ich will niemanden abhalten SEINE Gitarre zu bauen! Ich ermutige und unterstütze euch sogar dabei!
Seid euch nur über die Preise und Kosten bewußt! Geht evtl. den Weg aus einer (oder zwei!) fertigen Gitarre durch Umbau EURE Gitarre zu machen.

Ein Anfänger sollte meiner Meinung nach mindestens 100 Stunden vorher recherchieren was es gibt und normalerweise kostet. Sozusagen die Rockinger / Warmoth Website auswendig lernen. Woraus besteht überhaupt eine Gitarre? Wo sind welche und wieviele Schrauben? Kann man an seiner jetzigen Gitarre studieren ohne sie auseinander zu nehmen! In den Rockinger Workshops steht auch jede Menge zu Elektrik und Einstellung. Was müssen gute Beschlagteile normalerweise Kosten?

Tja; das wollte ich mal so in die Gitarrenbaurunde werfen ...
Wie gesagt; seinen Body oder gar Hals selbst zu fräsen ist was völlig anderes!

Gruß
Andreas

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